Kenntnisse über den potentiellen Arbeitgeber – Sinn oder Unsinn?

vorstellungsgespraech Kenntnisse über den potentiellen Arbeitgeber – Sinn oder Unsinn?

Den immer wiederkehrenden Tipp, sich als Bewerber über den potentiellen Arbeitgeber zu informieren, gebe auch ich gerne weiter.

Dabei geht es jedoch ausschließlich darum, sich vor dem Bewerbungsgespräch die Eckdaten des Unternehmens einzuprägen und nicht darum, die Firmengeschichte inkl. Struktur-änderungen über die gesamte Bestandszeit hinweg auswendig zu lernen, um sie bei Bedarf auswendig herunter sagen zu können.

Diesen Bedarf, und das versichere ich Ihnen wirklich aus eigener Erfahrung, gibt es nicht. Der Interviewer kennt sein eigenes Unternehmen von der letzten Maus im Keller bis zum Dachboden und nimmt sich nicht Zeit für Sie, um Sie darüber zu befragen. Viel wichtiger, eindrucksvoller und nachhaltiger ist es, wenn Sie über Ihren eigenen Lebenslauf ausreichend Bescheid wissen. Was so selbstverständlich klingt, ist es nicht. Lange Nachdenkpausen und unsichere Antworten auf gezielte Fragen nach bestimmten Unklarheiten, Lücken oder aus der Sicht des Recruiters schwammigen Aussagen schließt er pfeilgerade, dass Sie sich mit sich und Ihrem bisherigen beruflichen Werdegang nicht intensiv genug konfrontiert haben, um ein flüssiges Gespräch über Ihr eigenes Leben führen zu können. Nicht zu wissen, worin Ihre beruflichen Ziele zumindest für die nächsten fünf Jahre liegen, legt den Schluss nahe, Ihrer Zukunft planlos entgegen zu treiben. Der geübte Personalist liest daraus eine gewisse Interesse- und auch Orientierungslosigkeit, die sich nicht nur negativ auf den zu vergebenden Kompetenzbereich, sondern sogar auf das gesamte Team, auswirken kann.

Dieser Eindruck hinterlässt Spuren, die Sie nur schwer wieder verwischen können. Über sich selbst, Ihr bisheriges Leben, Ihre künftige Entwicklungsrichtung oder sogar berufliche Vision in einer klaren Sprache bereitwillig und begeistert Auskunft zu geben, zählt weit mehr als das Wissen um die Unternehmensentwicklung der letzten 100 Jahre. Ein natürliches und selbstverständliches Interesse am Unternehmen, auch in Form von sinnvollen Fragen, die Sie sich vor dem Gespräch zurechtlegen, bringt Sie jedoch ein großes Stück und noch dazu rasch in die Nähe Ihres Zieles.

Gerti Puschitz, HR-Spezialistin

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One Response to “Kenntnisse über den potentiellen Arbeitgeber – Sinn oder Unsinn?”

  1. Lukas says:

    Guter Artikel! Und ich muss Ihnen recht geben – bei Interviews wird immer wieder gefragt was man über das Unternehmen weiss etc. Und leider ist es mir auch schon einige Male passiert, dass ich mich nicht richtig informiert hatte – und dann wird es peinlich!