Bitte lächeln!

Eine Aufforderung, die gerade uns Frauen ganz besonders im Berufsleben zum Verhängnis werden kann.

Damit meine ich nicht, dass wir ständig mit verkrampft nach unten gezogenen Mundwinkeln herum laufen müssen, so dass uns ja kein Lächeln entwischt und die Menschen sich vor uns fürchten. Damit meine ich aber, dass dieses aufgesetzte, antrainierte Dauerlächeln uns keine guten Dienste leistet. Es wird rasch als „Maske“ durchschaut, sogar als Unaufrichtigkeit und als bewusst eingesetztes Manipulationssignal negativ gewertet.

Frauen lächeln erwiesenermaßen aus evolutionstechnischen Gründen öfter als Männer. Als ausgleichende Gerechtigkeit wirkt dafür jedoch das Lächeln eines Mannes sehr viel stärker. Er wendet es nur dann an, wenn ihm auch innerlich wirklich danach ist. Kein Mann denkt auch nur im Traum daran, ständig lächelnd durch die Berufsweltgeschichte zu wandeln.

Besonders in herausfordernden beruflichen Situationen, in denen Frauen sich unterlegen fühlen, obwohl sie es in den meisten Fällen gar nicht sind, neigen wir dazu, die unangenehme Stimmung, den sich anbahnenden Konflikt „wegzulächeln“. Anstatt Haltung zu demonstrieren, indem wir unseren Standpunkt klar legen, begründen und – wenn nötig – sogar verteidigen, lächeln wir uns immer tiefer in die Bedeutungslosigkeit hinein und haben Mühe, aus unserem selbst geschaufelten Jobgrab wieder heraus zu kommen. Wir signalisieren damit ein klares Zeichen der Unterwerfung! Gerne lächeln wir dieses implementierte Dauerlächeln auch, um ganz natürliche Stimmungsschwankungen gewaltsam „professionell“ zu überspielen, was in etwa so professionell ist wie als gelernter Maler Haare zu schneiden.

Es gibt KEIN professionelles Lächeln, wenn es auch immer wieder propagiert wird. Es wird mit Zähnefletschen verwechselt. Entweder Sie lächeln dieses warme, freundliche, offene Lächeln aus Ihrem Herzen heraus, das imstande ist, auch andere Herzen zu berühren und das sich in Ihren strahlenden Augen und den winzigen Fältchen drum herum widerspiegelt oder Sie lassen es ganz sein!

So wenig wie das immer wieder verherrlichte Pokerface von Managern ist auch das weibliche Dauerlächeln kein Erfolgsgarant. Ein wirklicher Erfolgsgarant ist die Aufrichtigkeit in Ihrem Lächeln auf Grund einer insgesamt positiven Grundeinstellung Ihrem gesamten beruflichen Umfeld, aber vor allem Ihnen selbst und Ihrem Leben, gegenüber. Unter dieser Voraussetzung lächeln Sie völlig unbewusst oft, gerne und authentisch, so dass Ihr Lächeln zum Synonym für Ihre Freundlichkeit, für ein angenehmes Betriebsklima, einen menschlichen Umgang untereinander und daher zum Erfolg wird.

Gerti Puschitz, HR-Spezialistin

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