Vor allem wir Frauen werden immer wieder dafür gelobt, fünf Dinge zugleich erledigen zu können. Wir telefonieren mit einem Kunden, arbeiten nebenbei Mails ab, schreiben mit einer Hand die Einkaufsliste und überlegen uns schon das Geburtstagsgeschenk für die Schwiegermutter. Ist das nicht toll?
Was uns als so „herausragende“ Eigenschaft angedichtet wird, erhöht auf der einen Seite den Druck in uns, diesem Anspruch auch in allen Lebens(schief)lagen gerecht zu werden und degradiert uns auf der anderen zu Robotern, nur dafür geschaffen, am Abend fix und fertig vor der von Anfang bis Ende abgehakten Aufgabenliste zusammenzusinken. Das ist schon weniger toll.
Fest steht, dass unser Gehirn so konzipiert ist, dass es immer nur einen Gedanken nach dem anderen denken kann. Schon aus diesem Grund ist „Multitasking“ unmöglich. Wir können uns immer nur auf eine Aufgabe konzentrieren, sind entweder nur mit halbem Ohr bei unserem Telefonat oder lesen unsere Mails, ohne deren Inhalt wirklich zu erfassen. Auf der Einkaufsliste fehlt die Hälfte und die Schwiegermutter bekommt aus Konzentrationsmangel eben einen Kaktus.
Indem wir in der oben beschriebenen Weise unseren Alltag regeln, verlassen wir die Gegenwart und damit uns selbst. Durch diesen „Arbeitsstil“ verlieren wir die Präsenz in unserem eigenen Leben und rücken uns selbst aus unserer eigenen Mitte. Total erschöpft wissen wir am Abend trotz abgehakter Liste nicht mehr, was wir überhaupt getan haben. Wir verlieren den Bezug zu unserem Alltag, der letztlich unser Leben ausmacht. Wir verlieren die Wahrnehmung für unser eigenes Leben.
Beginnen wir wieder zu lernen, unsere Gedanken hintereinander, einen nach dem anderen, zu denken und hören wir auf mit dem zum Scheitern verurteilten Versuch, sie, wie die daraus resultierenden Aufgaben auch, übereinander stapeln zu wollen, um dann selbst darüber zu stolpern – und zwar ins Burnout. Genau in dieser hoch gepriesenen Multitaskingfähigkeit liegt einer der Gründe dafür. Dieses ständige Tanzen auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig erschöpft uns. Anstatt der erhofften Beschleunigung stellt sich heute oder morgen eine ungewollte Verlangsamung ein. Dann müssen wir plötzlich Zeit haben, und die Welt dreht sich trotzdem weiter.
Wir selbst sind die Frau unseres Lebens und daher sehr wohl in der Lage, Druck aus unserem Hamsterrad zu nehmen, damit es beschaulicher, runder läuft. Dazu braucht es vorab eine ehrliche Selbstanalyse unseres Verhaltens und den starken Willen, wenn nötig, umgehend Veränderungen in unserem Denken und Handeln einzuleiten. Unverzichtbar dazu ist auch ein starkes Bewusstsein, um uns immer wieder auf Kurs zu bringen, wenn ein neuer Multitasking-Sturm aufkommt und uns zu verwehen droht.
Als Preis dafür bekommen Sie ein lebendiges Leben, das Sie auch wahrnehmen, und zwar in all seinen Facetten und Nuancen, in seiner ganzen Vielfalt und Schönheit. Und als Draufgabe winken Ihnen auf Ihrer Lebensreise in einem wohltuenden Tempo ein gesundes Selbstbewusstsein, eine starke Verwurzelung mit Ihrem Leben und eine angenehme Ausgeglichenheit, auf die sie nicht mehr verzichten wollen. Ein Versuch lohnt sich!
Gerti Puschitz, HR-Spezialistin
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