Nun, vor lauter Zeitmanagement haben wir immer noch weniger Zeit. Ganz im Gegenteil, wir degradieren uns selbst zum Sklaven unseres Terminkalenders.
Gut gemeinte Ratschläge, die darauf hinauslaufen, die Aufgaben eines jeden Tages minutiös in den Kalender einzutragen und ihn vor sich auf den Schreibtisch zu legen, sich bei Bedarf sogar vom Handywecker darauf hinweisen zu lassen, dass die für eine Tätigkeit geplante Zeit abgelaufen ist, bringen uns immer mehr unter Druck. Anstatt Erleichterung und bessere Übersicht sitzt uns das Gefühl des ständigen Getriebenseins, der ununterbrochenen Hetze im Nacken.
Schon am frühen Vormittag erkennen zu müssen, dass unser mühsam aufgestellter Terminplan vom laufenden Tagesgeschäft total durcheinander gewirbelt wird, erzeugt in uns Frust, Unlust und ein heftiges Gefühl der Unzulänglichkeit. Alle Störungen gefälligst von uns abzuhalten, wie uns diese freundlichen Ratgeber immer zu raten pflegen, ist in der Realität nicht möglich. „Geht sich nicht mehr aus.“ „Das schaffe ich nie.“ Diese Aussagen rattern dann ständig in unserem Hinterkopf und bremsen uns weit mehr als sie uns motivieren.
Ohne es zu merken geraten wir unter extremen Stress. Schließlich und endlich wollen wir die „verlorene“ Zeit aufholen, um wieder auf Plan zu sein und uns entspannt unserer Arbeit widmen zu können. Sollten Sie auf diesen Zeitpunkt warten, warten Sie umsonst – er kommt nie.
Auch auf die Gefahr hin, dass alle Zeitmanager der Welt jetzt laut aufschreien – eine lose Skizzierung des Tagesablaufs während des Zähneputzens früh morgens reicht für einen gewöhnlichen Routinetag völlig aus. Wirklich wichtige und auch unbedingt an diesem Tag zu erledigende Aufgaben reihen Sie gedanklich ganz vorne ein, und dann starten Sie mit diesen Tätigkeiten auch umgehend. Ein mental locker gefasster Tagesfahrplan lässt uns viel mehr Spielraum, zusätzlich anfallende Arbeiten, länger als geplant dauernde Besprechungen und mehr Telefonate als übliche ohne großen Aufwand fließend in dieses Tagesgewebe einzuarbeiten, ohne ständig die tickende Zeitbombe im Nacken zu haben. In dieser Form zu arbeiten fühlt sich an wie die geölten Zahnrädchen einer Uhr, die harmonisch ineinander greifen und einander im genau richtigen Tempo vorwärts schieben.
Was wir dazu brauchen ist – und ohne geht es nicht – ein sensibles Gespür für Prioritäten, eine große Portion Flexibilität und einen geübten Blick, um das große Ganze im Auge zu behalten und darüber hinaus ein trainiertes Zeitgefühl, um die nötige Zeit für die vorrangigen Arbeiten sicher zu bestimmen. Und natürlich – Freude an der Arbeit selbst!
Dann läuft es wie von selbst, macht Spaß und am Abend haben Sie mehr geschafft, als Sie sich überhaupt für diesen Tag vorgenommen hatten.
Gerti Puschitz, HR-Spezialistin
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