In vielen Jobangeboten wird mit der “Arbeit in einem jungen und dynamischen Team” geworben. Vor allem Absolventen sollen sich durch diese Zeilen angesprochen fühlen. Aber auch eine sogenannte “Mehrgenerationen-Arbeitsumgebung” hat ihre Reize und Unternehmen, die über einen ausgewogenen Altersmix verfügen, liegen aus wirtschaftlicher Perspektive im Vorteil.
Die erwerbstätige Bevölkerung in Österreich wächst. Laut Statistik Austria ist bis zum Jahr 2020 bei den Arbeitnehmern zwischen 15 und 45 Jahren eine Abnahme um 240.000 und bei den Älteren eine Zunahme von 370.000 zu erwarten. Die veränderte Altersschichtung der Gesellschaft sollte man aber nicht als Problem, sondern als Chance sehen. Denn Generationen können in Austausch miteinander treten und viel voneinander lernen.
Es ist ganz natürlich, dass man sich als junger Mensch in einem Team mit annähernd gleichaltrigen Kollegen wohler fühlt. Bereits zur Ausbildungszeit ist man vorwiegend mit Gleichaltrigen gemeinsam, da fällt eine Umstellung schwer. Doch die vorherrschenden Stereotype, dass ältere Menschen engstirnig, weniger leistungsfähig und oft krank sind, bestätigen sich in den meisten Fällen nicht.
Ein beliebter Streitpunkt ist im Bereich Technologie vorzufinden. Während jüngere Mitarbeiter dazu tendieren, den Arbeitsplatz ständig mit technischen Neuerungen zu versehen, lehnen ältere Menschen diese eher ab. Daher muss man meist Kompromisse eingehen. Die dabei entstehenden Konfliktprozesse können allerdings genutzt werden, beispielsweise indem nur wirklich notwendige Ausstattung besorgt wird.
Wettbewerbsvorteil durch Erfahrung
Gerade in technischer Hinsicht, aber auch was die aktuellen Lehrinhalte eines Gebietes betrifft, sind ältere Mitarbeiter meist nicht auf dem neuesten Stand. Ihr Maß an Erfahrungswissen ist aber besonders wertvoll und kann fehlende Formalqualifikationen ausgleichen. Sie können in Kundenbeziehungen unersetzbare Funktionen übernehmen, Situationen besser einschätzen und bringen Social Skills mit, die man erst im reiferen Alter erwirbt.
Vor allem Unternehmen, die direkten Kundenkontakt pflegen, sind auf das Wissen und die Kompetenz älterer Mitarbeiter angewiesen. Denn auch unter den Kunden befinden sich oft Menschen unterschiedlicher Generationen, daher sollten Kunden- und Mitarbeiterprofil übereinstimmen. So können entscheidende Wettbewerbsvorteile entstehen.
Des weiteren stellen ältere Mitarbeiter ein Sicherheitsnetz dar. Die Risikofreude junger Mitarbeiter kann einem Unternehmen viele Chancen einräumen, sie sorgen dafür, dass man am Puls der Zeit bleibt und nicht von Wettbewerbern überholt wird. Beim Ausprobieren von neuen Möglichkeiten sollte man aber auch ältere Mitarbeiter zu Rat ziehen. Durch ihre Erfahrungen können sie das Unternehmen möglicherweise vor schwerwiegenden Fehlern bewahren und so als Sicherheitsnetz fungieren.
Während die körperliche Leistungsfähigkeit bei älteren Menschen abnimmt, nimmt deren soziale Leistungsfähigkeit zu. Daher verfügen sie über viele Social Skills, die erst im Alter erworben werden, wie etwa die Fähigkeit zu strategischem Handeln und ganzheitlichem Verständnis von Situationen. Außerdem nehmen Selbstbewusstsein, Besonnenheit, Überzeugungskraft, Verantwortung, Empathie, Gelassenheit und Loyalität mit dem Alter zu.
Generationen-Management
Oft kommt es zu Rivalitäten und Konflikten zwischen den Generationen, weil unterschiedliche Ansichten zu Themen vertreten werden. Außerdem findet oft ein Ringen um Anerkennung statt, weil man die gegenseitigen Leistungen nicht schätzt. Die junge Generation muss die Erfahrung und Weisheit der älteren anerkennen, während diese wiederum die Fertigkeiten und Innovationsfreude junger Mitarbeiter nicht achten.
Der Schlüssel zu einem erfolgreichen Miteinander ist der gegenseitige Respekt. So lange man sich gegenseitig respektiert, ist man in “Mehrgenerationen-Arbeitsumgebungen” klar im Vorteil gegenüber Unternehmen mit homogener Altersstruktur. Nicht nur das Unternehmen kann davon profitieren, sondern jeder Mitarbeiter. Der Austausch der Generationen kann erleichtert werden, indem man Teams in ihrer Altersstruktur mischt und so voneinander lernt.
Der Altersmix soll aber nicht zufällig entstehen, sondern gezielt angestrebt werden. Das Generationen-Management als Teil des Diversity Managements sorgt für ein ausgewogenes Miteinander von Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen. Ziel ist es Stärken und Ressourcen jeder Lebensphase optimal zu nutzen.
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